Nach dem Jakobsweg ist vor dem Jakobsweg. Viele Pilger beginnen nach Abschluss des spanischen Hauptwegs „Camino Frances“ bereits mit der Planung der nächsten Pilgerfahrt, schließlich gibt es europaweit Jakobswege, deren Begehung lohnt. Besonders beliebt ist der Jakobsweg durch Portugal (Caminho Português). Warum das so ist, hier mal die wichtigsten Gründe:

Die einfache Anreise

Wer die komplizierte Pyrenäenanreise beim Camino Frances erlebt hat, wird sich über die Anreise zum Caminho Português richtig freuen! Die meisten Pilger beginnen den Caminho nämlich in der portugiesischen Hafenstadt Porto. Von Deutschland aus fliegen diverse Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Ryanair direkt dorthin. Sehr günstig ist der Flug mit Ryanair von Frankfurt-Hahn, dieser hat bei mir nur 25 Euro gekostet (1 Monat Vorausbuchung). Hinweis: Frankfurt-Hahn liegt trotz des Namens gut zwei Fahrstunden von Frankfurt entfernt. Vom Frankfurter Hauptbahnhof bzw. Flughafen verkehren fast stündlich Shuttlebusse nach Hahn, diese kosten allerdings 14 Euro bei einer einfachen Fahrt, in meinem Fall also fast so viel wie der Flug.

Laufdauer von nur 10-12 Tagen

Aufgrund der Länge von nur 235 km ist man in der Regel in weniger als 2 Wochen in Santiago de Compostela. Anders als beim Camino Frances muss man den Chef nicht nach einer längeren Auszeit fragen oder gar kündigen, ein gewöhnlicher Urlaub reicht für den Caminho Português vollkommen aus. Wer nach 235 km noch nicht genug hat, der kann nach Santiago nochmal 4-5 Tage für den Weg zum Atlantik (nach Finesterre und Muxia) dranhängen.

Auch für Einsteiger geeignet

Aufgrund der kurzen Laufdauer und der geringen Steigungen (nicht mehr als 400 Höhenmeter) ist der Weg auch für weniger trainierte Pilgeranfänger geeignet. Die Dauerbelastung für Füsse, Gelenke und Co. ist bei dem nur 10 bis 12-tägigen Marsch geringer als beim deutlich längeren Camino Frances.

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Weniger überfüllt, aber trotzdem Pilgerathmosphäre

Dass der Camino Frances ziemlich überfüllt ist und mitunter einer Völkerwanderung gleicht, habe ich ja bereits in einem früheren Artikel erwähnt. Der portugiesische Jakobsweg ist weniger bekannt und entsprechend sind auch deutlich weniger Pilger unterwegs. Unter den vielen Nebenstrecken des Jakobswegs gilt der Caminho Portugues allerdings als die zweitbeliebteste Strecke. D.h. man trifft hier sowohl auf Mitpilger (hauptsächlich aus Spanien und Portugal) und auch Pilgerherbergen sind ab Rates (ca 30 km nach Porto) in regelmäßigen Abständen vorhanden. Man muss also nicht auf teure Hotels und Pensionen ausweichen, wie auf den diversen wenig besuchten Nebenstrecken.

Abschluss der Pilgerfahrt in Santiago de Compostela

Nach dem langen Fußmarsch ist die Ankunft in Santiago de Compostela mit Pilgergottesdienst und mit dem Erhalt der Pilgerurkunde (Compostela) natürlich immer ein besonderes Highlight. Ein solcher Abschluss fehlt natürlich auf den diversen Pilgerstrecken in Frankreich, Deutschland oder der Schweiz.

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Vor einiger Zeit hatte ich bereits eine kleine Liste mit 5-nützlichen Dingen für den Jakobsweg erstellt. Diese deckt natürlich nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Pilgerausrüstung ab, daher hier eine vollständige Liste mit allen für die Pilgerfahrt benötigten Gegenständen:

Transport

  • Rucksack mit 50-60 Liter Fassungsvermögen. Der Rucksack sollte einen verstellbaren Hüftgurt haben. Der Rucksack sollte zudem Außentaschen besitzen, an denen man ein oder mehrere Wasserflaschen und ggf. die Isomatte befestigen kann. Natürlich ist auch ein Regenschutz/Regencover unverzichtbar. Sofern der Rucksack im Lieferumfang keinen Regenschutz enthält, kann man sich auch einen großen Regenponcho kaufen, der über Rucksack und Pilger passt. Hinweis: Bei starkem Wind und Regen ist es sehr schwierig den Poncho über sich und den Rucksack zu bekommen. ;-)
  • Teleskopstöcke / Trekkingstöcke / Wanderstöcke: Pilger mit Knieproblemen sollten über den Erwerb von Walking-Stöcken nachdenken, da dadurch die Knie um bis zu 30% entlastet werden.

Schuhe

  • Ich habe mich für leichte Wanderschuhe entschieden. Warum, das erfahrt ihr hier.
  • Einlegesohlen für eine bessere Dämpfung sind sehr sinnvoll.
  • Ich war ohne Zweitschuhe unterwegs. Beim nächsten Mal würde ich aber Sportschuhe oder luftige Trekking-Sandalen mit einpacken.
  • Badelatschen sind für die nicht immer sauberen Duschen/Sanitärbereiche in den Pilgerherbergen unbedingt empfehlenswert.

Schlafen

  • Schlafsack: Je nach Jahreszeit – einen dicken oder dünnen Schlafsack
  • Eine Isomatte wird eigentlich nur in der Hochsaison benötigt, wenn die Herbergen notorisch überfüllt sind und man in Notlagern nächtigen muss.
  • Ohropax: im Schlafsaal wird mitunter sehr laut geschnarcht

Kleidung

  • Wandersocken (2 Paar)
  • ggf. Freizeitsocken (1 Paar)
  • Unterhosen (2-3)
  • Lange Thermo-Unterhose (1)
  • T-Shirts (2-3) – am besten nicht zu hell, sonst sieht man die Flecken
  • Wanderhosen (2) bei denen man die Hosenbeine unter dem Kniebereich abtrennen kann
  • Windjacke
  • Warmer Pulli oder Fleecejacke
  • Regenjacke / Poncho
  • Einen Hut der Schatten bis über die Ohren bietet

Pflege

  • Sonnencreme: Ein hoher Lichtschutzfaktor ist empfehlenswert, da sich Pilger 8-10 Stunden im Freien aufhalten.
  • Zahnbürste
  • Zahnpasta
  • Schnelltrocknendes Trekkinghandtuch
  • Hartseife für Kleiderwäsche und Körper
  • ½ Rolle Toilettenpapier
  • Rasierer

Erste Hilfe / Medikamente

  • Ein kleines Erste-Hilfe-Set gibt’s mittlerweile in den meisten Trekking Geschäften. Dieses sollte u.a. Wundpflaster, Desinfektionsmittel und eine kleine Nagelschere enthalten.
  • 1-2 Packungen Compeed Blasenpflaster. Besser zu viel als zu wenig, in Spanien sind diese zwar auch erhältlich, aber erheblich teurer.
  • Voltaren Schmerzgel
  • Mittel gegen Kopfschmerzen (Aspirin o.ä.)
  • Mittel gegen Durchfall
  • Hirschtalgcreme: Beugt Blasen vor. Die Füße sollten bereits vor der Pilgerfahrt regelmäßig mit Hirschtalgcreme eingecremt werden
  • Taschenmesser
  • Leichte Trekking-Gabel/Messer/Löffel aus Aluminium
  • Ein paar Plastiktüten

Geld

  • EC-oder Kreditkarte: In fast jedem kleinen Ort gibt’s mittlerweile einen Geldautomaten. Unbedingt auf die Gebühren beim Abheben achten. Weltweit kostenlos Geld abheben

Dokumente (inkl. Kopien)

Essen & Trinken

  • Trinkflaschen (1-2 Stück) in der Größe 0,5 bis 1 Liter. Alternativ kann man auch Plastikflaschen kaufen, die in jedem x-beliebigen Supermarkt erhältlich sind. (Sofern man sie am Rucksack über Außentaschen leicht befestigen kann).
  • Magnesiumtabletten gegen Muskelkater & Krämpfe
  • Ein paar Müsliriegel für die ersten Tage. In Spanien heißen diese Baritta de cereales.

Sonstiges

  • Stirnlampe für Frühaufsteher und Nachtwanderer
  • Sonnenbrille
  • Wäscheklammern
  • Digitalkamera (je kleiner je besser)
  • Robustes Alt-Handy als Wecker
  • Jakobsmuschel (kann man auch in Saint-Jean-Pied-de-Port im Souvenirladen kaufen)
  • (optional) einen eReader wie Amazon Kindle würde ich beim nächsten Mal mitnehmen. Wer hin und wieder ein gutes Buch lesen möchte, dem empfehle ich einen solchen eReader (sofern Platz im Rucksack ist). Ein solches Gerät wiegt weniger wie ein Taschenbuch und neben dem Wandern hat man viel Zeit fürs Lesen.

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