Die richtigen Wanderschuhe für den Jakobsweg

Rainer Jakobsweg 3 Comments

Die richtigen Schuhe für den JakobswegEine der schwierigsten Entscheidungen für angehende Jakobsweg-Pilger ist die Auswahl der Wanderschuhe. Denn nichts ist schlimmer, als den Jakobsweg mit den falschen Schuhen zu laufen. Schmerzende Füße und Blasen zählen zu den häufigsten Leiden unterwegs. Angehende Pilger sollten sich daher vor der Pilgerfahrt intensiv mit der Schuhauswahl auseinandersetzen.

Pilger haben die Wahl

Auf dem spanischen Jakobsweg trifft man Pilger mit allen möglichen Schuhvarianten: Sport- bzw. Laufschuhe, Trekkingsandalen, leichte Wanderschuhe, Trekkingstiefel bis hin zu schweren Bergstiefeln. Vereinzelt trifft man sogar auf Barfußläufer. 😉 Den perfekten Schuh für den Jakobsweg gibt es nicht, jeder hat andere Vorlieben. Um die Auswahl der richtigen Schuhe dennoch ein wenig zu erleichtern, im Folgenden ein paar Tipps, worauf man beim Schuhkauf achten sollte:

1. Das Streckenprofil erfordert eine gute Dämpfung

Auf dem Spanischen Jakobsweg läuft man lange Strecken auf Asphalt, mal auf steinigem Untergrund (z.B. geschotterte Waldwege), aber insgesamt handelt es sich eher um leichtes Terrain. Auch wenn es hin und wieder durchs Gebirge geht (z.B. Pyrenäen oder beim Camino Duro), ist der Jakobsweg keine Gebirgstour und man benötigt keine schweren Bergstiefel! Die schwere und steife Schuhform der Trekking bzw. Bergstiefel ist darauf ausgelegt den Läufer im unsicheren Gelände zu stabilisieren. Auf den langen Etappen des Jakobswegs kann diese härtere Dämpfung aber massive Schmerzen und „Plattfüße“ verursachen! Man sollte daher Schuhe mit sehr guten Dämpfungseigenschaften wählen! Geeignet sind beispielsweise leichte Wanderschuhe.

Low Renegade

2. Halbschuhe oder Knöchelhohe Schuhe?

Wanderschuhe kann man in der Halbschuh-Variante erwerben, häufig reicht der Schaft aber bis über den Knöchel. Die höhere Variante bietet mehr Schutz, z.B. vor aufwirbelnden Steinchen. Wer zum Umknicken neigt, bzw. wie ich durch diverse Bänderdehnungen und Bänderrisse vorbelastet ist, für den sind knöchelhohe Schuhe empfehlenswert.

3. Welches Material? Goretex Membran oder Leder

Der klare Vorteil von Schuhen mit GoreTex ist, dass diese wasserdicht sind. Allerdings schwitzt man mehr bei heißeren Temperaturen, was wiederum zu verstärkter Blasenbildung führen kann.

Lederschuhe haben ein höheres Gewicht und benötigen mehr Pflege (einwachsen), damit diese ebenfalls wasserdicht sind. Außerdem dauert das Trocknen sehr viel länger. Lederschuhe eignen sich daher vor allem für die warmen Sommermonate Juli/August und sind dann kühler und angenehmer zu tragen.

4. ggf. Einlegesohlen zum Schuhkauf mitbringen

Viele Pilger tragen zur Dämpfung zusätzliche (orthopädische) Einlegesohlen/Sporteinlagen. Diese sind in der Regel aber deutlich dicker als die von den Schuhherstellern mitgelieferten Einlegesohlen, was zur Folge haben kann, dass die Schuhe nicht mehr passen. Daher sollte man die Einlegesohlen zum Schuhkauf mitnehmen.

5. Wandersocken beim Schuhkauf tragen

Gute Wandersocken sind speziell an den rechten und linken Fuß angepasst und an den wichtigen Stellen wie Zehen und Fersen zusätzlich verstärkt und haben daher ebenfalls einen positiven Dämpfungseffekt. Das Material ist in der Regel Synthetik bzw. ein Mix aus Synthetik und Wolle. Reine Baumwollsocken sind nicht empfehlenswert, da diese Feuchtigkeit aufnehmen und dadurch die Füße aufweichen. Die Folge ist eine starke Blasenbildung. Da Wandersocken dicker sind als klassische Socken, sollte man diese ebenfalls beim Schuhkauf tragen.

6. Schuhe nachmittags kaufen

Aufgrund der Einlegesohlen und der dicken Wandersocken kann es wie bereits angesprochen im Schuh sehr eng werden. Hinzu kommt, dass die Füße im Tagesverlauf (noch stärker bei einer langen Wanderung) anschwellen. Daher ist die ideale Tageszeit für den Schuhkauf nachmittags oder abends. Damit in den Schuhen ausreisend Platz ist, ist es empfehlenswert, die Schuhe immer eine Nummer größer zu kaufen.

7. Tests beim Schuhkauf

Zwar reicht die Zeit im Schuhgeschäft nicht aus die Schuhe einzulaufen, dennoch sollte man ein paar kurze Tests vor dem Kauf durchführen. Dazu zählst beispielsweise Treppensteigen oder ein kurzer Sprint und dann abrupt bremsen. Haben die Zehen genug Platz und bleibt die Ferse fest im Schuh? Dann sind die Schuhe keine schlechte Wahl.

8. Schuhe intensiv einlaufen

Da mit neuen Wanderschuhen immer Blasen drohen, sollte man diese vor dem Jakobsweg unbedingt über mehrere Wochen einlaufen. Dazu zählen auch ein paar längere Probeetappen mit Rucksack am Wochenende (15-20km). Nur so kann man feststellen, ob die Schuhe tatsächlich ideal sitzen.

9. Zweitschuhe

Wer noch Platz im Rucksack hat, kann als Zweitschuhe z.B. Trekkingsandalen oder Laufschuhe einpacken. Diese sollten aber nur auf festen, gut ausgebauten Wegen getragen werden, da sie den Fuß nicht weiter vor Verletzungen schützen (z.B. beim Umknicken).

Ein paar Empfehlungen

Zu guter Letzt noch ein paar Empfehlungen auf Basis meiner Jakobsweg-Erfahrungen sowie Tipps in diversen Wander-Foren:

  • Lowa Renegade GTX Mid: Sehr bequemer Wanderschuh mit guten Dämpfungseigenschaften. Knöchelhoch, wasserdichtes Gore-Tex Membran, langlebig.
  • Hanwag Tringri: Schuh aus Yakleder. Angenehmes Fussklima, gute Dämpfung. Knöchelhoch, besonders für warme Sommermonate geeignet.

Welche Erfahrungen hast du gesammelt? Mit welchen Schuhen bist du den Jakobsweg gelaufen?

Comments 3

  1. Kerstin

    Eine gute Zusammenstellung zum Thema Schuhe. Ich war durch Sportverletzungen vorbelastet und habe schwache Bänder. Da ich knöchelhohe Schuhe wegen der Wärme nicht mag, habe ich Sportbandagen aus dem Sanitätshaus getragen. Die konnte ich bei großer Hitze sogar mit gut eingelaufenen Ledersandalen tragen. Eine super Kombi, auch wenn es nicht gerade schick aussieht und ich öfter wegen meiner „kaputten Füße“ bemitleidet wurde.

  2. Post
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    admin

    Hallo Kerstin,
    danke für deine Hinweis zu den Sportbandagen! Für Pilger mit Sandalen, Laufschuhen und Co. sind diese eine sehr gute Ergänzung.

  3. Heike Radmacher

    Hallo , mein Name ist Heike . Kann man den Jakobsweg auch laufen wenn keine Sportskanone ist ?

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