Unterkünfte auf dem Jakobsweg: Pilgerherbergen, Hotels und Pensionen

Rainer Jakobsweg 2 Comments

Wer auf dem Spanischen Jakobsweg (Camino Frances) pilgert, kann bei der Übernachtung zwischen Pilgerherbergen, Hotels und Pensionen wählen:

1. Pilgerherbergen

Auf den 800 km zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Santiago de Compostela gibt es über 200 Pilgerherbergen. Fast jeder Ort den man durchquert, hat mindestens eine. Wer in einer Pilgerherberge übernachten möchte, benötigt einen Pilgerausweis, den man vorab online bestellen oder auch vor Ort (z.B. bei der Pilgerinformation in Saint-Jean-Pied-de-Port) erwerben kann.

Bei den Pilgerherbergen muss man zwischen öffentlichen/ kirchlichen Herbergen (die meist von ehrenamtlichen Helfern betreut werden) und privaten Herbergen (die meist von ehemaligen Pilgern betrieben werden) unterscheiden. In zahlreichen Ortschaften sind alle drei Herbergstypen nebeneinander vertreten.

Markenzeichen für Pilgerherbergen sind die Schlafsäle mit Stockbetten. Diese bieten eine gute Möglichkeit, Menschen aus aller Welt kennenzulernen. Pilgerherbergen bieten häufig nur eine Matratze, d.h. für Decke bzw. Schlafsack muss man selber sorgen. Mal übernachtet man in engen, kleinen Räumen mit nur 4-8 Betten, manchmal aber auch in geräumigen Turnhallen mit 50+ Betten. In allen Herbergen kann man die Kleidung von Hand waschen (meist spezielle Waschbecken) und es gibt Sanitäranlagen (Duschen, Toiletten) in ausreichender oder manchmal in sehr knapper Anzahl.

Im Folgenden ein paar Unterschiede:

Preise

Für die Übernachtung in öffentlichen/ kirchlichen Pilgerherbergen zahlt man durchschnittlich 5-7 Euro, manchmal werden diese Herbergen auch auf Spendenbasis betrieben. Im Gegensatz dazu sind die privaten Herbergen meist etwas teurer (7-12 Euro).

Öffnungszeiten

Einlass ist meist ab ca. 13:00, manchmal aber auch erst ab 16:00. Öffentliche/kirchliche Herbergen haben eine sehr strikte Nachtruhe ab 10 Uhr, die privaten Herbergen sind hier flexibler. Bis 8:00/9:00 muss man die Herbergen am nächsten Morgen aber verlassen.

In den öffentlichen/kirchlichen Herbergen darf man auch nur eine Nacht bleiben, außer man ist erkrankt. In den privaten Herbergen ist man diesbezüglich weniger strikt.

Fusspilger haben immer Vorrang vor Fahrradpilgern. Diese werden in der Regel erst ab 17.00 Uhr aufgenommen.

Reservierung

In kirchlichen/ öffentlichen Herbergen ist es nicht möglich zu reservieren. In privaten Herbergen kann man häufig telefonisch reservieren, wenn man des Spanischen mächtig ist.

Küche

Öffentliche/ kirchliche Pilgerherbergen besitzen sehr häufig eine Küche, so dass man sich selbst verpflegen kann (Nicht immer ist ausreichend Besteck vorhanden). Bei den privaten Herbergen gibt es häufig keine Küche, dafür bieten viele private Herbergen abends Pilgermenüs (9-12 Euro) und Frühstück (3 Euro) an. Einige private Herbergen besitzen sogar eine eigene Bar.

Waschmaschine

Neben der Wäsche von Hand bieten viele Herbergen mittlerweile auch Waschmaschinen/Trockner an. Waschmaschine und Trockner kosten je 3-4 Euro.

Internet

Wer mit Smartphone unterwegs ist, kann in vielen Herbergen kostenlos ins Internet (Wifi). Zusätzlich haben viele Herbergen auch einen internetfähigen Rechner (ca. 1 Euro für 30 Minuten)

Swimmingpool

Einige wenige private Herbergen haben auch einen kleinen Swimmingpool. Diese waren im Juni aber nie mit Wasser gefüllt.

Sehr detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen Pilgerherbergen findet man im Reiseführer von Raimund Joos.

2. Alternativen zum Schlafsaal

Aufgrund der fehlenden Privatsphäre und Nachtruhe (laute Schnarcher und Frühaufsteher ab 5:00) ziehen es viele Pilger vor, regelmäßig außerhalb eines Schlafsaals zu übernachten. Folgende Alternativen bieten sich dann an.

1. Pilgerherbergen: Viele private Herbergen bieten auch Einzel-/Doppelzimmer an. Dies hat einen großen Vorteil gegenüber Pensionen und Hotels, da hier auch die Pilgeratmosphäre erhalten bleibt (man trifft gleichgesinnte im Garten oder beim gemeinsamen Abendessen) während man in Hotels schon ein wenig isoliert ist. Bei Preisen ab 15 Euro für ein Einzelzimmer/Doppelzimmer (ohne eigenes Bad) sind diese durchaus eine günstige und gute Alternative zum Schlafsaal.

2. Tourist Information: Zwar gibt es in vielen Orten auch eine Tourist Information, die einem bei der Hotelsuche behilflich sein kann, doch hat diese zwischen 14:00 und 17:00 in der Regel Mittagsruhe/Siesta.

3. Online Portale (Hotels ab 50-60 Euro): In den mittelgroßen/großen Städten (z.B. Saint-Jean-Pied-de-Port, Pamplona, Burgos, Leon, Santiago de Compostela etc.) kann man mit Hilfe von Online Portalen wie Booking.com und Co. ein Hotel finden. Viele kleinere Orte sind aber leider touristisch so unbedeutend, dass selbst die Online Hotelsuche keinen Treffer liefert.

4. Lonely Planet Reiseführer (Pensionen ab 25 Euro): Ebenfalls eine gute Hilfe bei der Hotel-/Pensionssuche kann der Lonely Planet Reiseführer sein. Das Standardwerk für preisbewusste Rucksackreisende und Individualreisende bietet einige gute Empfehlungen zu günstigen Pensionen, vor allem in den mittleren und großen Städten wie Pamplona, Burgos und Leon.

Das Lonely Planet Buch zu „Spanien“ ist mit über 1000 Seiten allerdings viel zu dick für den Rucksack, so dass man sich die wichtigsten Seiten einfach rauskopieren sollte.

5. Durchfragen: Hay un hotel aqui? (Gibt es hier ein Hotel?) Spanier neigen dazu, den Weg sehr detailliert zu beschreiben. Daher muss man bei der Antwort gut aufpassen und sollte zwischen links (a la izquierda), rechts (a la derecha) und gerade aus (todo recto) unterscheiden können.

Comments 2

  1. Petra Winzinger

    Hallo, war dieses Jahr Juni Juli mit meiner Tochter von Leon bis Santiago de Campostela zu Fuß pilgern. Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Waren überwältigt von der absoluten Herzlichkeit, mit der uns die verschiedenen hospitaleros aufgenommen haben. Haben auch sehr tolle Herbergen mit dem Reiseführer von Raimund Joos gefunden. Sehr zu empfehlen dieses Taschenbuch und im Rucksack leicht zu verstauen.
    Kann nur sagen, wir pilgern wieder mit „Raimund Joos“ durch Spanien und Portugal

  2. Elfriede Smetanin

    Danke für deinen Hinweis. Ich plane für Juni/ Juli 16 an der Nordküste zu wandern.
    Können Sie mir Hinweise für diese Tour, Übernachtungen, Vorbereitung usw. geben?
    Ich bin für jeden Tip sehr dankbar. Denken Sie, diese Tour ist auch mit Hund möglich oder ist es dann zu Heiß?
    Ich freue mich auf eine baldige Antwort.
    MfG. Elfi

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