Die besten Alternativen zum spanischen Jakobsweg (Camino Frances)

Rainer Jakobsweg 7 Comments

In einem früheren Artikel hatte ich bereits angesprochen, dass der spanische Jakobsweg „Camino Frances“ mittlerweile sehr stark überlaufen ist. Da Pilgern bzw. Wandern in großen Menschenmengen nicht jedermanns Sache ist, stellt sich natürlich die Frage nach den Alternativen. Der Camino Frances von Saint-Jean-Pied-de-Port (Pyrenäen) über Pamplona, Burgos und Leon nach Santiago de Compostela ist allerdings nur ein Weg unter vielen. Jakobswege, auf denen kein oder deutlich weniger Rummel herrscht, gibt es in ganz Europa. Im Folgenden daher ein paar schöne Alternativstrecken.

1. Portugiesischer Jakobsweg / Caminho Portugues

Zweitbeliebtester Pilgerweg nach dem Camino Frances ist der Camino Portugues mit Startpunkt in Porto. Der Weg ist mit einer Länge von nur 240 km deutlich kürzer als der Camino Frances und führt durch schöne Dörfer, entlang einsamer Landschaften und Atlantikbuchten nordwärts bis nach Santiago de Compostela. Die Infrastruktur auf dem Caminho Portugues ist gut, unterwegs findet man regelmäßig preiswerte und gepflegte Pilgerherbergen. Gerade für Pilgeranfänger ist das gut ausgeschilderte Teilstück empfehlenswert. Auch für Pilger, die keinen ganzen Monat Zeit haben, ist die portugiesische Variante eine schöne Alternative zum Camino Frances. Einige Pilger beginnen den Caminho Portugues übrigens weiter südlich in Lissabon, doch das Teilstück ist noch wenig ausgebaut und es gibt keine Pilgerherbergen.

2. Küstenweg / Camino del Norte

Statt auf dem Camino Frances im Landesinneren über Pamplona, Burgos und Leon nach Santiago de Compostela zu pilgern, besteht auch die Möglichkeit entlang der Nordküste Spaniens nach Santiago de Compostela zu laufen. Die Nordroute führt durchs Baskenland entlang von Sandständen, Steilküsten und den Städten San Sebastian und Bilbao (Guggenheim Museum). Auf dem Camino del Norte sind deutlich weniger Pilger als auf dem Camino Frances unterwegs, dennoch finden Pilger hier ebenfalls eine gute Infrastruktur/Herbergen. In Galicien geht es schließlich landeinwärts und in Arzúa trifft der Camino del Norte auf den Camino Francés. Meist ein großer Schock für alle Pilger des Camino del Norte, da Arzúa knapp 30km vor Santiago de Compostela liegt und damit das am meisten überlaufene Teilstück des Camino Frances ansteht. Der Camino del Norte ist mit 860 km etwas länger als der Camino Frances und auch das Streckenprofil mit ständigem auf- und ab ist anspruchsvoller. Zwecks Anreise nimmt man am besten den Zug oder fliegt nach San Sebastion oder Bilbao und reist von dort  mit dem Bus nach Irun.

3. Ursprünglicher Jakobsweg / Camino Primitivo

Der ursprüngliche „Camino Primitivo“ stellt eine Verbindung zwischen dem nordspanischen Küstenweg und dem Camino Frances dar. Der Weg mit einer Länge von 320 km beginnt in Oviedo (Hauptstadt von Asturien) und führt über verschlungene Pfade durch die Berglandschaften Asturiens und Galiciens bis nach Santiago. Unter Pilgern gilt dieser sehr alte aus dem 9. Jahrhundert stammende Weg als Geheimtipp. Auf- und Abstiege bei denen 1.000 Höhenmeter zu überwinden sind, kommen unterwegs häufiger vor. Der Weg vereint somit Pilgern und Bergwandern. Der Camino Primitivo gilt als der schwierigste und anspruchvollste Jakobsweg überhaupt. Mittlerweile gibt es auch auf diesem Weg ein durchgängiges Netz an Pilgerherbergen. In Melide (50 km vor Santiago) trifft der Primitivo auf den Hauptweg Camino Frances.

4. Via de la Plata / Mozarabischer Jakobsweg

Die Via de la Plata beginnt im südspanischen Sevilla und führt auf knapp 1.000 km nordwärts bis nach Santiago de Compostela. Der Weg führt durch einstige Römerstädte wie Merida und Salamanca, zum Großteil aber auch durch sehr dünn besiedelte Gebiete wie die Extremadura. Daher ist der Weg besonders geeignet für Pilger, die auf der Suche nach Einsamkeit und unberührter Natur sind. Im Sommer kann es aufgrund der südlichen Lage der Strecke sehr heiß werden, insbesondere in der Extremadura stellt die Hitze mit Temperaturen von bis zu 40 Grad ein großes Problem dar. Juli und August sollte man daher eher meiden, dafür ist der Weg gerade in den Frühlingsmonaten sehr reizvoll. Auch auf der Via de la Plata gibt es ein Netz an Pilgerherbergen, auf manchen Etappen liegen allerdings 35-40 km zwischen den Herbergen.

5. Via Podiensis / Jakobsweg ab Le Puy in Frankreich

Der Jakobsweg ab Le Puy gilt aufgrund der geologischen Vielfalt mit Vulkanlandschaften (Velay), Kalksteinformationen (Cuasses) und den Pyrenäen als der landschaftlich schönste Jakobsweg in Frankreich. Von Le Puy läuft man ca. 30-40 Tage bis nach Saint Jean-Pied-de-Port/ Camino Frances. Ab Le Puy finden Pilger eine gute Infrastruktur mit zahlreichen Unterkünften vor.

6. Von zuhause aus loslaufen (3-4 Monate)

Auf dem Camino Frances trifft man vereinzelt Pilger die bereits in Frankreich, Belgien, Holland oder Deutschland von der eigenen Haustür aus losgelaufen sind und entsprechend bereits mehrere Monate und über 1.000 km unterwegs sind. Aus Deutschland heraus gibt es zahlreiche Möglichkeiten nach Saint-Jean-Pied-de-Port zu pilgern. Z.B. ab Trier oder Straßburg durch Frankreich bis nach Le Puy und von dort weiter auf der Via Podiensis. Pilger aus Süddeutschland können alternativ auch die Strecke über den Bodensee / Schweiz / Genf wählen und dann über die Via Gebennensis bis Le Puy pilgern. Auf den Streckenabschnitten vor Le Puy trifft man eher selten auf andere Pilger und entsprechend wenig Pilgerinfrastruktur (Herbergen) und muss auch mal teurere Unterkünfte in Anspruch nehmen.

Welche Jakobsweg-Alternativen kennst du sonst noch?

Update: Fernwanderwege weltweit!
Großartige Fernwanderwege (und Pilgerwege) gibt es natürlich auch außerhalb Europas. Ich habe hier eine Liste mit den schönsten Trails zusammengestellt.

Comments 7

  1. carmen

    Ich kenne noch keinen Jakobsweg.
    Habe mir vorgenohmen Camino del Norte zu gehen..alles entlang der Nordküste…
    Auf gute Tipps würde ich mich freuen..

    1. Valentin

      Hallo Carmen!

      Bin den Camino Frances 2009 mit meiner Frau gegangen.
      Ist wirklich eine tolle Erfahrung, die Du nie mehr aus dem Kopf kriegst.
      Der Camino Frances ist relativ einfach, und für jeden der halbwegs fit ist zu schaffen.
      Für 2017 plane ich die Nord Route und freue mich schon sehr darauf.
      Als Tipp kann ich Dir nur mitgeben – alles unnötige Gewicht zu Hause lassen, denn Du wirst sehen, mit wie wenig mann auskommt.
      Du wirst interessante Menschen kennenlernen und Begegnungen haben, die Du nie mehr vergisst.
      Wünsch Dir für Dein Vorhaben alles Gute und Buen Camino.

      LG Valentin

  2. Stephan

    Ich werde den Jakobsweg nächsten Sommer vor der Haustüre (Raum Salzburg) beginnen, aber wahrscheinlich die Strecke Genf – Irun mit dem TGB zurücklegen. Kilometer zu Fuß ca. 1.800 (ohne Zugstrecke). Salzburg -> Tirol -> Schweiz -> Frankreich -> Spanien. Geschätzte Dauer: 3 Monate.

    lg, Stephan

  3. Wolfgang

    Ich werde den Camino del Norte ab dem 3.6.16 angehen. Die im Bericht angegebene Literatur ist überholt. Es gibt mittlerweile die 13. überarbeitete Auflage. Autor ist Dr. Raimund Joos der die Arbeit von Michael Kasper fortführt. Michael Kasper ist leider verstorben. Es gibt übrigens auch die Möglichkeit per Bus direkt nach Irun zu kommen. Euroline fährt aus mehreren Städten nach Irun. Ich persönlich werde vermutlich in Basel einsteigen. (www.euroline.ch, oder .de)

  4. Robert

    Ein Hallo an Jene die die Milchstrasse gehen wollen oder gegangen sind.
    War da selbst Anno 2014 von der Haustüre weg gestartet (Wien-Salzburg-Innsbruck-
    Vaduz-Einsiedeln-Genf-Le Puy en Valey-Figeac) bis ich mir vor Cajarc einen Knöchel-einriss zuzog und abbrechen musste. Danach ganzer Fuß in Gips.
    Dieses Jahr werde ich von da weg den restlichen Weg gehen, in Spanien die klassische Route.
    Was ich Allen am Weg mitgeben möchte ist, vorsorglich an Mückenschutz zu denken.
    Bei meiner Rückkehr nach Wien 2014 bin ich am Westnil Virus erkrankt welchen ich mir nach Recherchen im Virologischen Institut nur in Frankreich zugezogen haben kann.
    Deshalb überdenken ob man im Notfall in den Komunen nächtigen möchte.
    Allen ein Buen Camino.

  5. Joachim Müller

    Hallo zusammen,

    habe mir folgende Strecke vorgenommen:

    Ab 02.Mai 2017 mit dem Bus,( eurolines) von Aachen nach Irun.

    Von dort aus auf dem Camino del Norte bis Gijon.

    Von Gijon aus soll es dann weiter über Oviedo auf den Camino Primitivo bis
    Santiago gehen.

    Geplant sind 15 Etappen auf dem Küstenweg,ca 485 Km und auf dem Primitivo ca.12 Etappen,mit ca.330 Km.

    Wenn alles gut läuft,möchte ich natürlich noch bis Finisterre in 3 Etappen pilgern!!

    Wären dann wohl so an die 915 Km!!!

    LG Achim

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