Camino Primitivo

Rainer Jakobsweg 5 Comments

Im Mai war ich auf dem Camino Primitivo (ursprünglicher Jakobsweg) unterwegs, mein mittlerweile dritter Jakobsweg nach dem Camino Frances und dem Camino Portugues. Der Camino Primitivo ist der älteste Jakobsweg in Spanien, im Vergleich zum Camino Frances allerdings deutlich weniger bekannt. Noch ein echter Geheimtipp, wie ich finde!! Im Folgenden daher ein paar Informationen zu dem Weg:

Startpunkt des Camino Primitivos ist Oviedo in Asturien, über die verschiedenen Anreisemöglichkeiten habe ich bereits in einem früheren Artikel berichtet. Für die 320 km bis nach Santiago de Compostela sollte man ca. zwei Wochen einplanen (später mehr dazu).

Das Terrain der landschaftlich sehr reizvollen Strecke ist höchst unterschiedlich. Man läuft auf wenig befahrenen Landstraßen, wandert auf Waldwegen und später auf verschlungenen Pfaden durch die Berglandschaften Asturiens und Galiciens. Man durchwandert idyllische Bergdörfer, überquert einige Bergpässe und Höhenwege (z.B. Hospitales-Route), aber auch die 2.000 Jahre alte Römerstadt Lugo, mit schöner historischer Altstadt und Stadtmauer, liegt auf dem Weg. Der Primitivo ist somit ein sehr vielseitiger Weg und bietet Wanderern eine Mischung aus Pilgern und Bergwandern.

Aufgrund der vielen Bergetappen gilt der Camino Primitivo als der schwierigste Jakobsweg überhaupt. Es geht ständig auf- und ab, an zahlreichen Lauftagen müssen Pilger mehr als 1.000 Höhenmeter überwinden. Belohnt werden die Mühen allerdings mit grandiosen Ausblicken auf die Berglandschaften Asturiens/Galiciens!

Tipp: Auf dem Camino Primitivo war ich erstmalig mit Trekkingstöcken unterwegs, denn bei den vielen Bergetappen sind diese sehr hilfreich. Trekkingstöcke erleichtern den Aufstieg, sorgen für mehr Trittsicherheit bei Schlamm und nassem Untergrund und entlasten gleichzeitig die Knie.

Ein großer Vorteil des Primitivos ist sicherlich, dass deutlich weniger los ist, wie auf dem überlaufenen Camino Frances. Tagsüber trifft man nur vereinzelt andere Pilger (zumindest im Mai). Mittlerweile gibt es auch auf dem Camino Primitivo ein durchgängiges Netz an Pilgerherbergen (ca. alle 10-20 km eine öffentliche Herberge). Aber nicht jeder Ort besitzt eine Pilgerherberge, daher ist man hinsichtlich der Tagesetappen weniger flexibel wie auf dem Camino Frances und muss die Etappen etwas mehr im Voraus planen.

Was das Wetter betrifft, sollte man sich gut vorbereiten. Gerade im Gebirge, auf mehr als 1.000 Meter Höhe, kann das Wetter sehr schnell umschlagen! Guter Regen-und Kälteschutz ist unbedingt erforderlich. Asturien und Galicien zählen zu den regenreichsten Regionen in Spanien.

Ich hatte dieses Jahr allerdings extremes Glück und die ersten 10 Tage nur Sonnenschein! Letztes Jahr lag zur gleichen Zeit noch Schnee im Gebirge. Der Primitivo war sehr schlammig und teilweise wohl nicht begehbar! Insbesondere die Hospitales Route (zwischen Borres und Berducedo) gilt bei schlechtem Wetter als riskant. Man pilgert fernab der Zivilisation auf einem Höhenweg in 1.200 Metern Höhe, hat ggf. schlechte Sicht (Nebel), starken Seitenwind und links/ rechts des Weges lauern steile Abhänge. (Hinweis: Bei schlechtem Wetter gibt es eine Alternativroute über Pola de Allande.)

Wieviel Zeit sollte man für den Camino Primitivo einplanen?

Wieviel Zeit man einplanen sollte, hängt letztendlich vom eigenen Fitnesslevel ab. Ich selbst hatte 14 Lauftage geplant, habe aber insgesamt nur 13 Tage benötigt. Einige Mitpilger sind den Primitivo in nur 12 Tagen gelaufen, kamen dann aber meist vom Camino del Norte und hatten bereits eine gute Kondition aufgebaut (über 500 km Lauferfahrung).

Standardroute oder nicht?
Kurz vor Santiago (50 km) trifft der Primitivo in Melide auf den Camino Frances. Bei den meisten Pilgern löst der Zusammenschluss der beiden Pilgerwege keine große Begeisterung aus, denn auf dem Primitivo ist es schön ruhig und wenig los, während man auf den Frances ständig von anderen Pilgern umgeben ist.

Es gibt ab Lugo (Tag 10) allerdings eine Alternativroute über Friol und Sobrado de Monxes. Wer diese wählt, trifft erst in Arzúa (ca. 35 km vor Santiago) auf den Camino Frances. Die Strecke ist allerdings knapp 15 km länger und man sollte ggf. einen zusätzlichen Tag einplanen. Auch sollte man sehr genau auf die Wegbeschreibungen des Wanderführers achten, denn für die Alternativroute gibt es praktisch keine Markierungen/Pfeile.

Hier mal meine Etappen (Standard) und einige Kommentare zu den Herbergen:

Tag Etappe Kilometer Bemerkung
1 Oviedo – Escamplero 12 km Aufgrund meiner späten Busankunft zur Mittagszeit nur 12 km am ersten Tag. In Escamplero ist die Registrierung in der örtlichen Bar/Restaurant notwendig. Diese liegt knapp 500 Meter vor der Herberge. Bei einer späten Ankunft sollte man sich zuerst registrieren, da ansonsten möglicherweise das Bett weg ist. (Wer sich zuerst registriert, bekommt das Bett und nicht wer zuerst in der Herberge ist)
2 Escamplero – Cornellana 26 km Eigentlich schöne und geräumige Herberge im ehemaligen Kloster San Salvador / Cornellana. Habe noch nie so wackelige Betten erlebt, die bei der kleinsten Bewegung laut quitschten. Daher war die Übernachtung wenig erholsam und nicht empfehlenswert!
3 Cornellana – Tineo 31 km Öffentliche Herberge ohne Kochmöglichkeit (nur Mikrowelle, allerdings kein Geschirr). Ein Gehilfe des Hospitaleros bietet Massagen für die Beine/Füsse an. Beim nächsten Mal würde ich eher in Bodenaya (12 km früher) übernachten, da die Pilger die dort übernachtet haben, alle begeistert waren. Der Hospitalero in Bodenaya kocht abends und wäscht für die Pilger (alles auf Spendenbasis)
4 Tineo – Borres 16 km Es gibt mittlerweile eine Bar in Borres. Diese betreibt auch die öffentliche Pilgerherberge. Registrierung in der Bar (im Ort – 500 Meter von der Herberge entfernt). Hier kann man vor der Hospitales Etappe frühstücken und auch Proviant (Bocadillos – belegte Brötchen etc..) einkaufen.
5  Borres- Berducedo 25 km Königsetappe über Hospitales. Bei gutem Wetter Traumhaft schön (Siehe Fotos). Nehmt genügend Proviant und insbesondere Wasser mit, es gibt 20 km keine Bar. Die öffentliche Herberge in Berducedo hat nur 12 Betten. Es gibt aber private Alternativen.
6 Berducedo -Castro 20 km Schöne private Herberge, besser man bucht vorab telefonisch ein Bett. Abendessen kostet 10 Euro
7 Castro – Padron 21 km Gute öffentliche Herberge mit großem Garten. Etwas abseits der Stadt gelegen (1 km danach). Man sollte daher vorher das Nötige einkaufen. Küche und Geschirr in der Herberge vorhanden.
8 Padron – Castroverde 31 km Neue öffentliche Herberge allerdings keine Kochmöglichkeit (doof!)
9 Castroverde – Lugo 22 km Etappe ohne Einkehrmöglichkeit unterwegs. Frühstückt also unbedingt in Castroverde. Da die Herberge in Lugo erst um 13:00 aufmacht und auch recht groß ist (>40 Betten), kann man auch später loslaufen. In Lugo gibt es auch zahlreiche Private Unterkünfte.
10 Lugo – Ponte Ferreira 27 km Schöne private Herberge / Abendessen mit lecker Paella (10 Euro)
11 Ponte Ferreira – Ribadiso 31 km Primitivo trifft in Melide auf den Camino Frances – mit der Ruhe ist es vorbei!
12 Ribadiso – Pedrouzo 22 km Augen zu und durch.
13 Pedrouzo – Santiago de Compostela 21 km Fertig!

Comments 5

  1. Martin

    Hallo Klaus. Vielleicht sehen wir uns. Meine Frau und ich werden auch unterwegs sein! Nach der Hochzeitsreise das zweite mal. Buen Camino!! Liebe Grüße – Martin

  2. Ernst Höhn

    ich bin vor einem jahr den primitivo gelaufen. wunderschön aber anstrengend. der zusammenschluss mit dem „francaise“ holt dich nach der einsamkeit des primitivo wieder in die realität zurück. schrecklich..!

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