Erfahrungen mit dem Reiseführer „Spanien: Jakobsweg Camino Francés“ von Raimund Joos

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Der Reiseführer von Raimund Joos war mein ständiger Begleiter auf dem Weg von St. Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela, daher möchte ich im Folgenden mal eine kleine Bewertung abgeben:

Top ist…

  • Die Beschreibung des Streckenverlaufs inkl. Höhenprofil ist sehr akkurat. Anhand der genauen Kilometerangaben zwischen den einzelnen Ortschaften kann man die Tagesetappen sehr gut planen.
  • In den sehr seltenen Fällen wo der Weg mal nicht ausreichend markiert war, half das Buch gut weiter. Eine zusätzliche Spanienkarte o.ä. ist eigentlich nicht mehr notwendig. (Hinweis: Der Jakobsweg enthält quasi alle 50/100 Meter eine Markierung mittels gelbem Pfeil bzw. Jakobsmuschel, so dass man sich bis auf wenige Ausnahmen nicht verlaufen kann).
  • Auf die jeweiligen Schwierigkeiten des Terrains wird eingegangen. Auch falls es eine schönere Alternativstrecke gibt, wird diese detailliert beschrieben.
  • Das Buch liefert hilfreiche Tipps, wenn beispielsweise länger mal keine Ortschaften kommen und man sich mit Wasser, Lebensmitteln und ggf. Bargeld eindecken sollte.
  • In jedem Ort nennt Raimund Joos die vorhandenen Pilgerherbergen (kirchlich, kommunal und privat) und geht auch auf Themen wie Bettenanzahl, Größe des Schlafsaals, Preise, Sauberkeit, Frühstück, Pilgermenü und generell die Atmosphäre ein. Die Bewertungen passten eigentlich immer und waren sehr nützlich bei der Herbergssuche.

Da das Buch allerdings aus Gewichtsgründen mein einziger Reiseführer war, möchte ich hier noch ein auf ein paar Schwachstellen eingehen:

  • Das Buch ist ein Wanderführer, auf Sehenswürdigkeiten wird zwar auch, aber nur sehr am Rande, hingewiesen. Falls man in Burgos, Leon oder Pamplona einen Ruhetag plant und mehr über Sehenswürdigkeiten, Freizeitgestaltung oder gute Restaurants wissen möchte, benötigt man im Grunde einen zweiten Reiseführer.
  • Keine Hotels und Pensionen: Der Reiseführer listet ausschließlich Pilgerherbergen auf. Da es hin und wieder ganz angenehm ist, mal nicht im Schlafsaal zu nächtigen, wären Hotelempfehlungen natürlich wünschenswert. Gerade in kleineren Orten mit nur einer Herberge hätte ich gerne vorab gewusst ob es Ausweichmöglichkeiten gibt, falls die Herberge überfüllt ist.
  • Etappenauswahl: Auf Seite 45 gibt es ein Höhenprofil des Camino inklusive 31 eingezeichneten Orten. Obwohl diese Übersicht nicht explizit als Etappenvorschlag gekennzeichnet ist, werden die hier eingezeichneten Orte doch von einigen Pilgern als Zielorte für die Tagesetappen genutzt – schließlich planen viele den Camino in ca. 31 Tagen zu laufen. Das funktioniert zu Beginn auch ganz gut, da ca. alle 20-25 km ein neues Etappenziel eingezeichnet ist, zur Mitte des Jakobswegs werden die Abstände aber immer größer und rund um Leon gibt es gleich mehrere 50 km Etappen. Wer also plant den Camino in 31 Tagen zu laufen, sollte sich nicht am Höhenprofil auf Seite 45 orientieren, sonst folgt zu Mitte des Weges ein Schmerzhaftes Erwachen ;-). Man kann dem Autor hier keinen Vorwurf machen, schließlich handelt es sich lediglich um ein „Höhenprofil“, welches allerdings von einigen Pilgern fälschlicherweise als Etappenvorschlag missinterpretiert wird.
  • Eine kurze Übersicht mit nützlichen Vokabeln wäre sehr hilfreich. Es gibt hierfür aber ein eigenes Buch von Raimund Joos Kleiner Pilgersprachführer: Spanisch und mehr für den Jakobsweg was natürlich wieder zusätzliches Gewicht bedeutet.

Fazit: Das Buch war für mich auf dem Jakobsweg unverzichtbar und kann ich uneingeschränkt empfehlen. Schwachstellen (fehlende Hotels, Sehenswürdigkeiten…) gibt es vermutlich bewusst, um das Gewicht gering zu halten.

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