(Ohne) Vorbereitung auf den Jakobsweg

Rainer Jakobsweg Leave a Comment

Auf dem Jakobsweg durch Spanien zu wandern ist kein Pappenstiel! Der Camino Frances beginnt in den Pyrenäen an der französisch-spanischen Grenze. Bis nach Santiago de Compostela sind es von dort aus über 800 km Fußmarsch. Der Durchschnittspilger ist hierfür 4-6 Wochen unterwegs und muss täglich Etappen von 20 bis 40 km Länge zurücklegen. Erschwert wird das Ganze noch durch den 8-10 kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Aus gutem Grund empfehlen die gängigen Reiseführer ein intensives Lauftraining zur Vorbereitung.

Wer allerdings aus diversen Gründen (z.B. Zeitmangel) bei der konditionellen Vorbereitung ein wenig schlampt, für den habe ich im Folgenden ein paar Tipps für den sanften Pilgereinstieg:

1. Die erste Etappe
Gleich zu Beginn erwartet den angehenden Pilger mit der Pyrenäenüberquerung eine der schwersten Etappen überhaupt! Die Strecke zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles geht über eine Gesamtlänge von 27 km. Dabei muss man zunächst knapp 1000 Höhenmeter auf zum Teil sehr steilen Wegen aufsteigen um zum Lepoeder Pass zu gelangen. Gegen Ende der knapp 8-stündigen Tour folgt dann ein steiler, steiniger Abstieg nach Roncesvalles bei dem den erschöpften Pilgern noch Blasen, Kniebeschwerden und vor allem gefährliche Stürze drohen.

Pyrenäenüberquerung

Pyrenäenüberquerung

Wer diese Etappe ohne Vorbereitung durchläuft, geht doch ein hohes Risiko ein! Zum Glück gibt es aber Alternativen:

Herberge Orisson

Herberge Orisson

Option 1 (Empfohlen): 8 km hinter Saint-Jean-Pied-de-Port – man hat bereits 600 Höhenmeter zurückgelegt – befindet sich mit der Herberge von Orisson (http://www.refuge-orisson.com/) eine letzte Übernachtungsmöglichkeit. Wer hier übernachtet, entschärft die Etappe doch enorm und kann den ersten Tag dazu nutzen sich ein wenig warmzulaufen (2,5 Stunden), an den schweren Rucksack zu gewöhnen und ggf. gleich hier überflüssiges Gepäck auszusortieren.

Kleiner Nachteil, die Hütte von Orisson ist mit 32 Euro für die Nacht nicht gerade günstig (6-Schlafsaal, Halbpension, alternativ auch Übernachtung im eigenen Zelt möglich). Wer in Orisson übernachten möchte, sollte allerdings frühzeitig reservieren (Anfrage per Email, man spricht Englisch, Bezahlung per PayPal), da die Herberge mit knapp 40 Betten in der Regel ausgebucht ist.

Am zweiten Tag folgen dann nochmal 19 km (inkl. Aufstieg von weiteren 400 Höhenmetern), der Marsch über den Pass inkl. des Abstiegs nach Roncesvalles.

Option 2: Wer die Etappe am Stück laufen möchte, kann auch sein Gepäck per Shuttle nach Roncesvalles fahren lassen und nur mit einem kleinen Tagesrucksack die Etappe wagen (http://www.expressbourricot.com/).

2. Die folgenden Etappen
Hat man die schwere Pyrenäenüberquerung erst mal gut gemeistert, sollte man es in den kommenden 1-2 Wochen dennoch nicht übertreiben. 20 – 25 km pro Tag ist für untrainierte Pilgeranfänger absolut ausreichend. Nach Burgos (erreicht man nach ca. 14 Tagen) wird das Terrain auch deutlich einfacher. In der Meseta sind die Wege oftmals schnurgerade und steile Auf- und Abstiege gibt es dann auch nur noch selten. Die in den ersten 2 Wochen hinzugewonnene Kondition, erlaubt es dann in der Regel die Laufleistung deutlich zu erhöhen.

Geradeaus durch die Meseta

Geradeaus durch die Meseta

Durch die Meseta

Sieht nach Regen aus

3. Regelmäßige Laufpausen
Besonders bei Laufanfängern treten häufig Sehnenentzündungen im Fuß, vor allem in der Achillessehne, auf, da das Muskel-Sehnen-System aufgrund des schlechten Trainingszustands bei zu starken Belastungen überfordert ist. Um diesen Verletzungen vorzubeugen, empfehlen sich regelmäßige Ruhetage zur Regeneration.

Tapasbar

Tapasbar

Am empfehlenswertesten sind natürlich die Metropolen Pamplona (nach ca. 3-4 Lauftagen), Burgos (nach ca. 14 Tagen) und Leon (nach ca. 21 Tagen). Hier kann man ein wenig das Leben abseits des anstrengenden Pilgeralltags genießen und endlich auch mal was anderes essen als die täglichen Pilgermenüs. 😉

4. Morgens früh loslaufen
Gerade im Sommer kann es auf dem Camino sehr heiß werden. Wenn der Wetterbericht einen heißen Sommertag ansagt, sollte man sehr früh (5:30 – 6:30) mit dem Laufen beginnen. Dann ist man gegen Mittag schon meist am Zielort und erspart sich den Gang durch die größte Mittagshitze.

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