Mosel Camino Beilstein

Mosel Camino: Etappen, Unterkünfte und praktische Erfahrungen

Rainer Jakobsweg Leave a Comment

Eigentlich wollte ich im Frühjahr den Camino del Norte in Spanien laufen. Doch dann machte mir Corona einen Strich durch meine Reiseplanung und ich entschied mich dieses Jahr in Deutschland zu bleiben und hier zu pilgern. Letztendlich fiel meine Wahl auf den Mosel Camino von Koblenz nach Trier. Der Mosel Camino ist mein erster Jakobsweg in Deutschland und rückblickend kann ich sagen, dass ich die Entscheidung nicht bereut habe. Über meine Erfahrungen auf dem Mosel Jakobsweg berichte ich im Folgenden.

Anreise

Startpunkt des Mosel-Caminos ist Koblenz-Stolzenfels, ein Vorort von Koblenz. Koblenz selbst ist sehr gut an das Verkehrsnetz der Deutschen Bahn angebunden, so dass die Anreise aus den meisten Regionen Deutschlands kein großes Problem darstellen dürfte. Wer etwas weniger komfortabel aber noch günstiger als mit der Bahn anreisen möchte, sollte einen Blick auf die Angebote von Flixbus werfen. Flixbus bietet Busverbindungen nach Koblenz und zurück ab Trier an.

Am Koblenzer Hauptbahnhof muss man auf den Bus der Linie 670 umsteigen, um nach Koblenz-Stolzenfels zu gelangen. Der Busbahnhof befindet sich direkt vor dem Bahnhofsgebäude. Tickets für den Bus können direkt beim Busfahrer gekauft werden, ein Einzelfahrschein kostet 3,10 Euro (Stand: September 2010). Die Fahrtzeit zur Bushaltestelle „Stolzenfels Schlossweg“, dem Startpunkt des Caminos, beträgt ungefähr 10 Minuten. Laut Fahrplan werden stündlich zwei Verbindungen nach Stolzenfels angeboten. Doch das ist nicht ganz korrekt und hat bei mir (und den Mitpilgern) für ein wenig Verwirrung gesorgt. Eine der beiden Verbindungen ist mit einem Telefon gekennzeichnet. D.h. man muss mindestens 60 Minuten vorher bei der Busgesellschaft anrufen und die Fahrt anmelden. Nur dann fährt der zweite Bus. Die genauen Abfahrtszeiten und Telefonnummern sind auf der Website https://www.vrminfo.de/ zu finden.

Unterwegs auf dem Mosel Camino

Etappen

Der Mosel Camino ist ein äußerst abwechslungsreicher Pilgerweg. Es geht vorbei an schönen Burgen, grünen Weinbergen (im Herbst), durch dichte Wälder und urige Dörfer, dabei häufig mit einem grandiosen Blick auf die Mosel. Doch es geht auch ständig auf und ab und der Camino verlangt einiges an Kondition ab. Für den ca. 160 Kilometer langen Pilgerweg sollte man mit einer Dauer von 7-8 Tagen planen. Ich selbst war 8 Tage unterwegs und habe mich dabei an den Etappenvorschlägen des sehr guten Outdoor Reiseführers (im weiteren nur noch gelbes Büchlein genannt) orientiert, mit dem die meisten Pilger unterwegs waren.

Der Camino beginnt zunächst mit zwei kürzeren Etappen von knapp 20 Kilometern, die sich hervorragend zum Einstieg lohnen und dabei helfen etwas Kondition aufzubauen. Deutlich anspruchsvoller und schweißtreibender sind die Etappen 3 und 4, bei denen über 25 Kilometer und auch viele Höhenmeter zu bewältigen sind. Auf der Etappe 4 würde ich zudem einen Abstecher zum Prinzenkopf machen (1 Kilometer zusätzlich hin und zurück ab Marienburg), da der Aussichtsturm einen grandiosen Blick über die Moselregion bietet. Die Etappen 5 bis 8 sind von den Kilometern wieder kürzer und nur knapp 20 Kilometer. Obwohl ich „gefühlt“ nicht sonderlich schnell gelaufen bin, waren meine Laufzeiten deutlich kürzer wie die im gelben Büchlein angegeben Zeiten.

EtappenvorschlägeEtappenlängeOrte in der Reihenfolge des ErreichensMeine Laufzeit
Etappe 1ca. 21 kmStolzenfels – Alkenca. 5 Stunden
Etappe 2ca. 22 kmAlken – Löf – Hatzenport – Lasserg – Burg Eltz – Treis-Kardenca. 5 Stunden
Etappe 3ca. 28 kmTreis-Karden – Kloster Maria Engelport – Beilstein – Bullayca. 7 Stunden
Etappe 4ca. 25 kmBullay – Marienburg – Zell – Enkirch – Starkenburg – Traben-Trarbachca. 6 Stunden
Etappe 5ca. 18 kmTraben-Trarbach – Bernkastel-Kues – Lieser – Osann-Monzelca. 4 Std. 30 Minuten
Etappe 6ca. 20 kmOsann-Monzel – Klausen – Klüsserathca. 4 Std. 30 Minuten
Etappe 7ca. 18 kmKlüsserath – Schweichca. 4 Stunden
Etappe 8ca. 23 kmSchweich – Quint – Ehrang – Biewer – Trierca. 5 Std. 30 Minuten
Hatzenport – Tag 2

Beliebte Alternative (Tag 2 bis Kloster Maria Engelport)

Eine beliebte Alternative ist die Übernachtung im Kloster Maria Engelport am zweiten Tag. Das bedeutet allerdings einen sehr langen zweiten Tag mit ca. 30 Kilometern. Auf den zusätzlichen 8 Kilometern ab Treis-Karden geht es zudem lange bergauf. Aufgrund meiner bisherigen Wandererfahrung versuche ich die ersten Tage immer möglichst kurz zu halten und meine Etappen bei 20 bis maximal 25 Kilometern zu begrenzen. Daher kam das Kloster Maria Engelport für mich nicht in Frage. Für Spontanpilger ist das Kloster eh nicht geeignet, da Übernachtungsplätze im Vorfeld reserviert werden müssen. Ob sich der lange zweite Tag gelohnt hat, kann ich selbst nicht beurteilen. Soviel kann ich aber sagen: Den Mitpilgern, die im Kloster Maria Engelport übernachtet haben, waren die Strapazen am nächsten Tag deutlich anzusehen. 😉

EtappenvorschlägeEtappenlängeOrte in der Reihenfolge des ErreichensLaufzeit
Etappe 2ca. 30 kmAlken – Löf – Hatzenport – Lasserg – Burg Eltz – Treis-Karden – Kloser Maria Engelportca. 7 Stunden
Etappe 3ca. 20 kmKloster Maria Engelport – Beilstein – Bullayca. 5 Stunden

Beliebte Alternative (Den Mosel Camino in 7 Tagen laufen)

Eine weitere Option ist es den Mosel Camino in nur 7 Tagen zu laufen, was vor allem für gut trainierte und jüngere Pilger infrage kommen dürfte. Gut zusammenlegen lassen sich dabei die Etappen 5-7. Das Kloster Klausen statt Osonn-Monzel ist als Etappenziel sehr gut geeignet, da es in Klausen eine Pilgerherberge mit Doppel- und Mehrbettzimmern gibt. Zusätzlich bietet Klausen einen Dorfladen, in dem man seinen Proviant auffüllen kann. Das bedeutet allerdings statt drei moderaten Wandertagen zwei sehr lange Wandertage! Wem das zu strapaziös ist, der kann übrigens die Etappe 5 ein wenig verkürzen und mit dem Schiff von Traben-Trarbach nach Berkastel-Kues fahren. Die Fahrt dauert ca. 2 Stunden. Sollte ich den Mosel Camino noch ein zweites Mal laufen, würde ich vermutlich die Variante mit 7 Tagen wählen, da ich bei den Etappen 5-7 meist schon sehr früh (gegen 14-15 Uhr) beim Etappenziel war!

EtappenvorschlägeEtappenlängeOrte in der Reihenfolge des ErreichensLaufzeit
Etappe 5ca. 26 kmTraben-Trarbach – Bernkastel-Kues – Lieser – Osann-Monzel – Klausenca. 6 Std. 30 Minuten
Etappe 6ca. 30 kmKlausen – Klüsserath – Schweichca. 6 Std. 30 Minuten
Etappe 7ca. 23 kmSchweich – Quint – Ehrang – Biewer – Trierca. 5 Std. 30 Minuten 

Orientierung

Auf dem Mosel Camino ist ein verlaufen praktisch unmöglich. Zu gut ist der Jakobsweg mittels Jakobsmuschel und gelegentlich gelben Pfeilen gekennzeichnet. Wer einen Kilometer keine Jakobsmuschel am Wegesrand sehen sollte, hat sich vermutlich verlaufen und sollte umkehren;-)

Lediglich am ersten Tag würde ich ein wenig aufpassen, da sich der Linksrheinische Jakobsweg vom Mosel Camino abspaltet und die Jakobsmuscheln an der Kreuzung ein wenig dominanter in Richtung des Linksrheinischen Jakobswegs weisen.

Neben dem Buch Mosel-Camino: von Koblenz nach Trier benötigt man kein weiteres Kartenmaterial für den Camino.

Jakobsmuschel als Orientierung

Packliste

Meine bereits für den spanischen Jakobsweg erstellte Packliste, erwies mir auch auf dem Mosel Camino gute Dienste. Lediglich auf Schlafsack und Trekking-Handtuch habe ich verzichtet, da Bettwäsche und Handtücher in den Unterkünften gestellt wurden. Vollkommen ausreichend war daher ein leichter 32 Liter Rucksack wie der Deuter AC Lite 32 mit einem Leergewicht von unter einem Kilo.

Pilgeratmosphäre

Im Vorfeld berichteten viele Pilger bei Facebook (Gruppe: Jakosweg Forum), dass sie keine anderen Pilger unterwegs getroffen haben. Daher hatte ich auch nicht damit gerechnet, andere Pilger auf dem Weg zu treffen. Umso überraschter war ich, dass ca. 15 weitere Pilger an gleichen Tag wie ich den Mosel Camino in Koblenz begannen. Das führte zu einer etwas angespannten Übernachtungssituation für diejenigen, die ihre Unterkunft nicht bereits im Vorfeld gebucht hatten (später mehr dazu). Am zweiten Tag fühlte ich mich auch kurz an den überfüllten Camino Frances in Spanien erinnert, als gegen 9 Uhr fast alle Pilger zeitgleich die zweite Etappe in Alken begannen. Das große Pilgeraufkommen hat sich aber glücklicherweise schnell entzerrt 😉

Die Gründe, warum so viele Pilger unterwegs waren, waren vielfältig. Zum einen dürften viele aufgrund der Reisewarnung für Spanien dieses Jahr in Deutschland pilgern. Zum anderen ist Hauptsaison an der Mosel und neben den Pilgern sind auch zahlreiche Wanderer auf anderen Routen wie dem Moselsteig unterwegs. Im September bietet die Mosen mit angenehmen Temperaturen von 20 bis 25 Grad perfekte Wanderbedingungen. Die Mosel steht im September kurz vor der Weinlese und die Felder erleuchten im satten Grün. Als dritten Grund würde ich noch den Starttag „Samstag“ nennen (allerdings reine Spekulation). Vermutlich hatten viele Berufstätige wie ich den Plan, den Camino in einer Urlaubswoche zu begehen. Dafür ist ein Start am Samstag natürlich ideal und man hat im Anschluss noch ein ganzes bzw. halbes Wochenende, um sich von den Strapazen zu erholen.

Der Mosel Camino im Herbst

Unterkünfte

Wie oben angesprochen war die Übernachtungssituation etwas angespannt für diejenigen, die nicht im Vorfeld bereits eine Unterkunft gebucht hatten. Soweit ich weiß, hat aber immer jeder einen Schlafplatz gefunden.

Hinweis zur Unterkunftssuche: Bevor man eine Unterkunft bucht, sollte man immer die Entfernung zum Camino prüfen. So hatte ich einmal den Fehler gemacht und eine Unterkunft in gut 1.5 km Entfernung gewählt. Leider gab es bei der Unterkunft auch keine Möglichkeit zum Abendessen, so dass ich den Weg nach der Etappe insgesamt 3-mal gehen musste (am nächsten Tag ein weiteres mal) und die bereits sehr lange Etappe um knapp 5 km verlängert habe. Doof!

Pilgerherbergen

In Traben-Trarbach und Klausen befinden sich zwei schöne Pilgerherbergen, wobei die Standards und Preise etwas höher sind als in spanischen Pilgerherbergen.

Gästehäuser und Pensionen

Entlang des ganzen Weges gibt es zahlreiche private Gästehäuser und kleine Pensionen. Die Übernachtungspreise beginnen bei ca. 35 bis 40 Euro für ein Einzelzimmer mit eigenem Bad inkl. Frühstück. Gästehäuser sind somit kaum teurer als Übernachtungen in einer Pilgerherberge.

Im gelben Büchlein werden an jedem möglichen Etappenziel 1-2 Unterkünfte genannt. Das sollte in der Regel auch ausreichen, wenn nicht gerade Hochsaison an der Mosel ist und 15 Pilger auf der Strecke unterwegs sind. Auch auf der Seite mosel-camino.info sind zahlreiche Unterkünfte aufgeführt.

In zahlreichen Orten gibt es Tourismusinformationen (nur an Werktagen geöffnet), die bei der Unterkunftssuche behilflich sein können. Daneben gibt es in den Orten auch Aushänge / Schwarze Bretter, in denen Privatunterkünfte aufgelistet werden. Dann muss man ggf. einge Nummern durchtelefonieren bis man eine Unterkunft gefunden hat. Sollte die Touristeninformation geschlossen oder nicht vorhanden sein, kann man auch in Geschäften und / oder Restaurants nachfragen. Auch dort wird einem in der Regel sehr freundlich weitergeholfen.

Daneben kann man auch im Internet bei Google Maps nach Pensionen in den jeweiligen Orten suchen und erhält in der Regel auch direkt Bewertungen zu den Unterkünften.

Auch bei Hotelportalen wie Booking.com kann man fündig werden. Allerdings sind die meisten Privatpensionen nicht bei Booking.com gelistet. Ich empfehle zudem immer bei der Pension direkt anzurufen und nicht über Booking.com zu buchen, selbst wenn man sie dort gefunden hat. Zwar ist die Online Buchung sehr schnell und bequem möglich, die Preise bei Booking.com starten aber erst bei ca. 50 Euro. Für eine Übernachtung bezahlt man somit für die gleiche Unterkunft 10-15 Euro mehr als bei einer Direktbuchung.

Camping

Entlang der Mosel befinden sich zahlreiche Campingplätze, teilweise auf schönen Campinginseln gelegen. Auch Zelten ist somit eine interessante Option auf dem Mosel Camino.

Fazit

Der Mosel Camino ist mit einer Dauer von nur einer Woche zwar deutlich kürzer als die spanischen Jakobswege, aber landschaftlich sehr vielseitig und stellt eine (nicht nur Corona bedingt) gute Alternative dar. Nach meinen guten Erfahrungen auf dem Mosel Camino werde ich in den kommenden Jahren definitiv auch andere Jakobswege in Deutschland wie den Eifel- oder den Lahn Camino begehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.